Lass`mich wachsen

Kind greift nach Grashalm

...in meinem Tempo!

Oft sind wir Eltern ungeduldig. Wir wünschen uns sehr, dass unsere Kinder dieses oder jenes tun, etwas endlich selbst können, lernen. Jedes Kind hat sein eigenes Tempo. Das ist für viele Eltern die erste Lektion im Umgang mit ihrem Kind. Jedes Kind entwickelt sich in seinem Tempo. Entdeckt diese Welt auf seine Art und Weise. Eltern sorgen sich, warum kann mein Kind dieses noch nicht und das Kind der Freundin kann es schon? Diese Sorgen sind in den meisten Fällen völlig unbegründet. Dein Kind macht vielleicht gerade einen Entwicklungsschub in der Wahrnehmung, in der Sprachentwicklung und der nächste motorische Entwicklungsschritt lässt vielleicht deshalb einfach noch auf sich warten. Aber er wird kommen. Wirkliche Auffälligkeiten werden bei den U-Untersuchungen des Kinderarztes getestet und festgestellt. Die „Phasen der kindlichen Entwicklung“ – mittlerweile gibt es nicht nur massenweise Bücher dazu, sondern auch Apps, die anzeigen, wann welcher Schritt erfolgen „soll“. Es ist sinnvoll, sich damit zu beschäftigen, keine Frage. Man sollte eine Vorstellung davon haben, wie sich Kinder entwickeln, welche Entwicklungsschritte folgen. Aber es ist als grobe Richtschnur zu verstehen. Einen „Rahmen“ mit Platz für individuelle Unterschiede. Es darf nicht dazu führen, dass wir unser Kind – unser Kind mit seinem Wesen, und seiner Art sich zu entwickeln aus den Augen verlieren. Es darf nicht dazu führen, dass wir versuchen an ihnen zu „ziehen“ – die Entwicklung zu beschleunigen unter dem Deckmantel der „Förderung“. Das hat im Grunde nichts mit dem Kind zu tun, das ist ein Thema der Mutter, oder des Vaters.

Warum kannst du nicht abwarten? Warum hast du keine Geduld? Warum kein Vertrauen in die Entwicklung deines Kindes (-und vielleicht auch nicht in dich)?

Lasst sie wachsen. Lasst sie sich entwickeln. Lasst sie die Welt auf ihre eigene Weise und in ihrem eigenen Tempo entdecken. Mit jeder unlösbaren Aufgabe (wie drehe ich mich, von Rückenlage auf den Bauch?) muss es Lösungen entwickeln. Dein Kind muss ausprobieren dürfen, beobachten dürfen, lernen dürfen mit Frust umzugehen, und lernen dürfen: Ich kann das. Ich bekomme das hin. Ich habe gelernt mich zu drehen, ich werde auch lernen mich fortzubewegen, um an den schönen Ball zu kommen, den ich unbedingt haben will. Das ist Vertrauen. Vertrauen in die eigene Kreativität, in das eigene Können in das eigene Tempo. Und dein Kind darf lernen: Mama (oder Papa) ist da. Ist da, wenn ich frustriert bin, weil es vielleicht noch nicht so klappt wie ich will. Sie ist da, tröstet mich, ermutigt mich weiterzumachen und nicht aufzugeben. Dein Kind lernt: Mama traut es mir zu. Mama hat das Vertrauen in mich, dass ich es kann. Das ist doch das, was wir unseren Kindern mitgeben wollen im Leben. Du kannst alles schaffen. Vertraue auf dich, dein Können, deine Fähigkeiten, dein eigenes Tempo. Und lass dich nicht beirren, wenn Andere etwas anders machen oder etwas vielleicht schon früher können als du. Deshalb: lasst Kinder wachsen und zieht nicht an ihnen. Sei für es da, so wie du auch später immer für dein Kind da sein willst. Der sichere Hafen, zu dem es jederzeit zurückkehren und auftanken kann.