Vielleicht

Kind pustet eine Pusteblume

Warum wir mit unseren Kindern über ihre Fähigkeiten sprechen sollten.

„Hast du dich jemals gefragt, warum du hier bist?
Du bist du.

So jemanden wie dich hat es noch nie gegeben und wird es auch nie mehr geben.

In dir steckt so viel.
(…)vielleicht, hat die Welt schon seit Ewigkeiten auf genau so jemanden wie dich gewartet.
(…)
Vielleicht wirst du einmal etwas erfinden, das noch niemand zuvor gesehen hat?
Vielleicht wirst du einmal Dinge bauen, die hoch bis in den Himmel ragen?
(…)
Vielleicht wirst du anderen helfen, die Schönheit in jedem Tag zu erkennen?
Oder vielleicht wirst du Menschen
mit deiner Begeisterung mitreißen?
Vielleicht bist du hier,
um Licht an Orte zu bringen, die viel zu lange dunkel waren?
Vielleicht wirst du für jene
deine Stimme erheben, die nicht
für sich selbst sprechen können?
Vielleicht bist du hier, um auf eine besondere Art zu helfen, wie nur du es kannst?

Eine Sache ist gewiss, du bist hier. Und weil du hier bist…ist alles möglich!“

Kobi Yamada

Ich halte es für wichtig, mit Kindern über ihre Begabungen, ihre Stärken zu sprechen. Ihnen zu sagen, dass sie gut und richtig sind, so wie sie sind. Geliebt werden. Denn wenn wir uns die Schwierigkeiten ansehen, mit denen viele Erwachsene zu hadern haben, so lassen sie sich oft auf negative Grundannahmen über sich selbst zurückführen. Grundannahmen, die ihnen vielleicht eingetrichtert wurden. Die sie ungefiltert übernommen haben, zu einer Zeit, in der sie erst einmal alles für „wahr“ hielten, was die Menschen um sie herum ihnen über sich erzählten.  Aus „Du bist zappelig. Du bist dumm. Du nervst“ wurde „Ich bin zappelig. Ich bin dumm. Ich nerve.“ Es gelingt den meisten, diese Erfahrungen mit anderen, positiven Erfahrungen zu überschreiben. Aber eben nicht allen und eben auch nicht alle Erfahrungen.

Mit Kindern über ihre Talente zu sprechen und sie zu stärken, regt in vielen Erwachsenen aber immer noch der Gedanke „Was ist, wenn mein Kind dadurch ein völlig überzogenes Selbstbild erhält?“ Ein inneres Bild vor Augen von jenen Menschen, die denken, sie seien die „Größten“, können alles (besser) und wissen alles (besser). Und ein „Ich will nicht, dass mein Kind so wird!“ kommt in den Sinn.

Da kann ich beruhigen.

Den Blick eines Kindes auf seine Fähigkeiten und Talente zu richten, wird nicht dafür sorgen, dass es sich zu einem Erwachsenen mit einem realitätsfernen Selbstbild entwickelt. Denn es schärft den Blick, die Wahrnehmung des Kindes dafür, was es selbst gut kann, was andere Menschen gut können und gleichzeitig auch dafür, was es vielleicht nicht gut kann, oder mag. Ich bin ich und Du bist du. Die Welt und die Mitmenschen so zu sehen, heißt auch, dass man ganz automatisch den Wert des Anderen schätzt. Weiß, dass auch er aus einem Grund hier ist, dass auch er Talente und Fähigkeiten besitzt, die wichtig für alle sind. Es formt ein Miteinander. Jeder trägt auf seine Weise bei. Wer das von klein auf verinnerlicht, wird sich nicht für etwas Besseres halten oder gar über andere Menschen stellen.

Aber wem das als Kind nicht mitgegeben wurde, der wird sich womöglich oft klein, unbedeutend oder minderwertig fühlen. Und er wird es entweder nach außen kompensieren (durch ein überzogenes und zur Schau gestelltes Selbstbild, das aber nicht seinen tatsächlichen Empfinden entspricht) oder nie aus diesem Grundgefühl herauskommen. Sich nie auf die Entdeckung seiner Fähigkeiten machen, denn er ist ja davon überzeugt, ohnehin nichts zu finden. Er wird sich von den ersten Schwierigkeiten abschrecken lassen und seine wahre Stärke nie entdecken.

Darum dieser Text.

Lasst uns unsere Kinder sich mit all ihrer Phantasie, all ihren Ideen, all ihrem Können entwickeln. Lasst sie sich und die Welt entdecken. Lasst uns für sie da sein, wenn sie scheitern und sie daran erinnern, welche Kraft in ihnen steckt. Und die Zeit nutzen, und sie stärken, bevor sie Menschen begegnen, die ihnen erzählen, dass sie klein und unbedeutend seien. Mit der Hoffnung, dass sie dann schon eine Stärke entwickelt haben und resistent sind gegen diese Worte.

Lasst uns aber auch über uns nachdenken. Wie denkst du über dich? Hast du dir schon mal die Frage gestellt, warum du hier bist? Kennst du deine Fähigkeiten und Talente und bringst du sie ein?

Es ist nie zu spät sich diese Fragen zu stellen. Es ist nie zu spät sich auf diese Reise zu begeben.

Genaugenommen sollte sie ein Leben lang andauern. Es gibt viel zu entdecken.

„Mache alles mit Liebe. 

Folge deinem Herzen

und schaue, wohin es dich führt.“

Kobi Yamada

Die Zitate sind aus dem Buch: Kobi Yamada, “vielleicht – Eine Geschichte über die unendlich vielen Begabungen in jedem von uns“ Adrian Verlag 2019, wunderschön illustriert von Gabriella Barouch.

Eine absolute Empfehlung für alle kleinen und großen Erwachsenen.